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Ein Riese aus Gas, mit dem Herzen eines Kindes

  • Hatice Kübra AYÇİÇEK
  • 22 May
  • 4 dakikada okunur

Deutsche Übersetzung: Hatice Kübra Ayçiçek (12 jahre alt)

Autorin: Nesibe Yılkın (11 jahre alt)

Illustratorin: Nahide Rana Can (12 jahre alt)

An diesem Abend dachte Elif: Ich bin nicht wichtig. Sie hatte nicht die lauteste Stimme in der Klasse. Sie war nicht die Schnellste. Sie war auch nicht die Beliebteste. Sie ging zum Fenster. Der Himmel war klar. Zwischen den Sternen war ein stämmiges, aufrichtiges Leuchten. „Jupiter, du bist sehr wichtig“, sagte Elif zu sich selbst, „weil du der Größte bist.“

Genau in diesem Moment vernebelte sich der Himmel. Es war, als ob der Himmel sich in zwei Hälften teilen würde. Elif machte einen Schritt und trat in die Leere. Sie fror nicht. Sie fiel nicht. Aber ihr Herz schlug zum ersten Mal so schnell.

Vor ihr war Jupiter. So riesengroß. Gestreift. Beweglich. Das riesige Unwetter, das sich auf ihm befand, drehte sich so schnell wie ein Blitz. „Der Größte zu sein heißt nicht immer, dass man auch der Wichtigste ist“, sagte eine tiefe Stimme. Elif zuckte zusammen. „Hast du etwa … meine Gedanken gehört?“

„Ich bin ein Planet, bei dem die Anziehungskraft sehr stark ist“, sagte Jupiter. „Ich ziehe nicht nur die Steine an, sondern auch die ganzen Fragen.“ Elif fragte etwas beschämt: „Wie ist es, so groß zu sein?“ „Last“, sagte der Planet.

Elif wunderte sich. „Last? Aber jeder will groß sein.“

„Groß zu sein“, sagte Jupiter, „bedeutet mehr Verantwortung. Bedeutet mehr Balance. Bedeutet größere Erwartungen.“ Der Sturm hatte sich ein bisschen mehr gedreht. „Wird dieser Sturm niemals enden?“, fragte Elif.

„Vielleicht hört er auf, vielleicht nicht“, antwortete der Planet. „Aber ich habe gelernt, mit ihm zu leben.“ Elif senkte den Kopf. „Ich trage auch etwas in mir. Aber niemand sieht es.“ In diesem Moment wurde Jupiters Stimme wärmer.

„Was in mir ist, sieht man auch nicht. Von außen bestehe ich aus Gas. Ich habe keinen festen Boden auf mir. Aber ich stehe trotzdem.“

Elif sah überrascht auf. „Also kann man nicht auf dir stehen?“

„Nein“, sagte Jupiter mit einem leichten Lächeln. „Du kannst dich nicht auf mich verlassen und auf mich treten. Aber wenn du mich von Weitem siehst, erkennst du trotzdem meine Stärke.“ Elifs Augen tränten. „Der Wert des Menschen besteht also nicht darin, dass man auf ihn treten kann?“

„Richtig“, sagte Jupiter. „Wert bedeutet, mit der eigenen Existenz Gleichgewicht schaffen zu können.“ Die Stille des Universums war in sie hineingedrungen. „Ich bin ein kleines Universum“, sagte Elif.

„Nein“, sagte Jupiter. „Du lebst in einem kleinen Universum, doch du trägst ein riesiges Universum in dir.“ Elif wurde es warm ums Herz. Zum ersten Mal fühlte sie sich leicht wie eine Feder. „Bin ich etwas Wichtiges?“, flüsterte Elif. Jupiter ließ sein Donnergewitter kreisen, bevor er Elif antwortete.

„Ich bin einer der Größten, doch ich bin ein Planet, der kein Lebewesen in sich hat. Doch du kannst denken, fühlen und lieben. Denkst du, wer kostbarer ist?“ Elif tropfte eine Träne herunter.

In diesem Moment strahlten die Sterne. Aber das war kein normales Strahlen. Es war, als ob der Himmel wie ein Herz schlug. Ein Stern nach dem anderen strahlte. Und danach alle auf einmal. Das Licht durchbrach die Dunkelheit nicht; es wurde aus ihr geboren.

In Elifs Umgebung bildeten sich dünne, silberne Wege. Die unsichtbaren Linien, die die Sterne verbanden, sah man jetzt klar und deutlich. Das Universum war wie eine Karte. Und diese Karte war nicht unordentlich, sondern sehr ordentlich. „Sieh nur“, sagte Jupiter. Seine Stimme war inzwischen tiefer und wärmer geworden. „Kein einziger Stern ist zufällig da.“ Elifs Herz passte nicht mehr in ihre Brust. „Ich auch?“, flüsterte Elif.

Für einen Moment war alles still. Dann begann der riesige Sturm auf Jupiter, sich noch strahlender zu drehen. Nicht angsterregend…sondern erstaunlich.

„Ich bestehe aus Gas“, sagte Jupiter. „Auf mir gibt es keinen festen Boden, aber trotzdem bin ich ein Teil des Sonnensystems. Aber du kannst denken, fühlen und lieben. Denkst du, wer von uns jetzt größer ist?“

Elif antwortete nicht. Denn zum ersten Mal bemerkte sie, dass man Größe nicht messen konnte.

Auf einmal rutschte eine Sternschnuppe vorbei. Sie hinterließ einen gewaltigen Riss in der Dunkelheit. Während Elif zusah, zerbrach etwas in ihr. Momente, in denen sie sich klein gefühlt hatte … Momente, in denen sie sich zurückgezogen hatte … Sätze, in denen sie gesagt hatte: „Ich kann das nicht“ … alles entfernte sich zusammen mit diesem sinkenden Licht.

„Weißt du“, sagte Jupiter, „ich bin sehr groß. Aber in mir gibt es kein Leben. Keine Bäume. Kein Meer. Keine Kinderstimmen.“ Elifs Augen füllten sich mit Tränen.

„Du bist klein“, sagte der Planet. „Aber der Ort, an dem du lebst, trägt Leben in sich. Wenn du lachst, verändert sich ein Raum. Wenn du schweigst, entsteht eine Leere. Wenn du aufgibst, verschwindet eine Möglichkeit.“

Diese Worte sanken langsam aus dem Weltall herab und ließen sich in Elifs Herz nieder.

Das Netz der Sterne leuchtete für einen Augenblick heller auf, als würde das Universum auf ihre Antwort warten. „Ich bin wichtig“, sagte Elif. Zum ersten Mal ohne zu zögern. In diesem Moment leuchteten die Sterne. Aber diesmal nicht draußen, sondern in Elif drin. Das Licht war nicht in ihren Augen, sondern in ihrer Haltung.

„Vergiss nicht“, sagte Jupiter, während seine Stimme langsam verschwand. „Das Universum misst Größe mit Masse. Aber den Wert mit Wirkung.“

Die Lichter wurden schwächer. Die Sternwege verschwanden. Der Sturm verlangsamte sich.

Als Elif ihre Augen öffnete, war sie in ihrem Zimmer. Die ersten Sonnenstrahlen schienen in ihr Zimmer. Alles war wie immer. Ihre Wand … ihr Tisch … ihr Leben. Aber Elif war nicht wie früher. Denn sie hatte an diesem Abend verstanden:

Ein Planet kann groß sein. Ein Blitz kann jahrelang schlagen. Ein Universum kann endlos sein. Doch wenn ein Mensch an sich glaubt, kann er mehr strahlen.

Und manchmal konnte selbst der beeindruckendste Stern den Sturm in sich heraufbeschwören.

 


 
 

©2022, Dergi Mudita, her hakkı saklıdır.

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